Die Petition

Über viele Jahre hinweg haben wir Betroffene es hingenommen, dass wir mit der Krankheit Adipositas alleine dastehen.
Aus den Vorwürfen, dass wir Menschen mit Adipositas selbst schuld an unserem Schicksal sind und dass man mit etwas Bewegung und einer Ernährungsumstellung das locker in den Griff bekommen kann.

Am Ende wurde uns dies so oft – auch von Medizinern – erzählt, dass wir es letztendlich selbst glaubten. Von Kindesbeinen an hörten wir „Iss weniger“ und „Tu endlich was“. Nur was soll man tun, wenn man nicht weiß was und wie?
Es ist ein Prozess der letzten Endes zur Eigenstigmatisierungen, wie „Ich bin zu schwach“, „Ich habe keinen Durchhaltewillen“ oder „Ich bin selbst schuld“ führen.

Seit ein paar Jahren weiß man allerdings, dass frühzeitige multimodale Therapieansätze bei vielen Betroffenen erfolgversprechend sind.
Wider besseren Wissens und wider höchstrichterlichen Urteilen wird den Menschen diese Therapie weiterhin verweigert.

Zeit etwas zu ändern

Bei vielen Gesprächen mit Entscheidungsträgern aus der Gesundheitswirtschaft und der Gesundheitspolitik stellten wir fest, dass jeder dem anderen die Schuld in die Schuhe geschoben hat.

„Solange von den Betroffenen nichts kommt, wird man auch nichts ändern“, war die Aussage, die uns zu der Petition bewogen hat.

Lesen Sie hier den Text der Petition, wie sie am 23.01.2018 beim Deutschen Bundestag eingereicht wurde.
Sie finden diesen auch auf dem Petitionsportal des Deutschen Bundetages über diesen Link

Gesetzliche Krankenversicherung – Leistungen – – Schaffung der Rahmenbedingungen und deren Finanzierung für eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung adipöser Patienten vom 23.01.2018T

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung adipöser Patienten schaffen und deren Finanzierung bundesweit einheitlich sicherstellen. 16 Mio. Erwachsene sind in Deutschland von der chronischen Krankheit Adipositas betroffen. Jedoch ist die ambulante medizinische Versorgung von diesen Patienten in Deutschland trotz existierender nationaler und internationaler Leitlinien nicht flächendeckend umgesetzt.

Begründung

Nach Daten des Robert-Koch-Instituts ist in Deutschland fast jeder vierte Erwachsene adipös (23,6 %). Der Anteil extrem adipöser Menschen beläuft sich mittlerweile auf mehr als 1,4 Mio. Erwachsene und hat sich laut Statistischem Bundesamt im Zeitraum von 1999 bis 2013 mehr als verdoppelt.
Adipositas ist nachweislich Auslöser von mehr als 60 Folge- und Begleiterkrankungen wie Diabetes Mellitus Typ II, Herzkreislauf- und Krebserkrankungen und gleichzeitig eine Therapiebarriere bei deren Behandlung. Neben der individuellen Krankheitslast belaufen sich die geschätzten direkten Kosten der Adipositas in Deutschland auf 29,4 Milliarden Euro pro Jahr. Damit sind sie doppelt so hoch wie die Krankheitskosten durch Alkohol- oder Tabakkonsum. Doch nicht alleine die Krankheitskosten sind ein Problem für die Gesellschaft. Vielen der stark adipösen Patienten ist es aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr möglich ihrem Beruf nachzugehen. Da viele Betroffene bereits zur sozial schwachen Schicht gehören, führt dies schnell zu einem weiteren gesellschaftlichen Abstieg.
Die Bundesregierung hat bereits Programme im Bereich der Prävention von Adipositas initiiert und gefördert. Diese Präventionsprogramme sowie die im Rahmen des Präventionsgesetzes neu entstandenen Angebote der gesetzlichen Krankenkassen erreichen die chronisch kranken Patienten jedoch nicht.
Im deutschen Gesundheitswesen wird diese stark wachsende Gruppe der Bevölkerung diskriminiert, indem eine bedarfs- und leitliniengerechte Diagnostik und Therapie zwar zum Leistungsumfang der GKV gehört, aber nicht gewährt wird. Die meisten medizinischen Leistungen sind per se im ambulanten Leistungskatalog enthalten, dürfen aber bei der Indikation Adipositas nicht angewandt bzw. verordnet werden. Durch diese ungeregelte Situation erhalten adipöse Menschen nur dann eine Therapie, wenn sie diese hartnäckig bei den Krankenkassen einfordern oder selber finanzieren, was wiederum Vielen nicht möglich ist. Scham und Stigmatisierung sind insbesondere für stark adipöse Patienten große Hindernisse eine Therapie bei Ärzten und Krankenkassen einzufordern.
Vor dem Hintergrund dieser problematischen Versorgungssituation wendet sich die AdipositasHilfe Nord e.V. sowie die deutsche Patientenvertreterin der European Association for the Study of Obesity (EASO) mit dieser Petition an die Mitglieder des Deutschen Bundestages. Wir bitten Sie, die Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Versorgung von Patienten mit Adipositas zu schaffen. Die Krankenkassen und die Organe der Selbstverwaltung haben es bisher versäumt, die erforderlichen Rahmenbedingungen umzusetzen. Die Politik ist damit gefordert, diese Lücke zu schließen.
 
So weit, so gut. Am Ende der Mitzeichnungsfrist am 26.06.2018 hatten wir 6.951 Unterstützer.
Hier waren wir allerdings noch nicht am Ende. Wir wurden gebeten weitere Hintergrundinformationen an den Petitionsausschuss zu übersenden.
 
Dies haben wir mit Schreiben vom 01.10.2018 auch getan.